Hilfe, mein Kind macht „Zahlendreher“ beim Lesen, Schreiben, …

…aber auch während des Rechnens! Ist das Legasthenie?

Die Ziffernfolge 45 wird als „fünfundvierzig“ gelesen oder als 54 geschrieben. Bei der Aufgabenstellung „Ergänze auf den nächsten Zehner“ rechnet das Kind: 34 + 7 = 50 oder Ähnliches. Es handelt sich hierbei nicht einfach um „Zahlenlegasthenie“. Dieselben Fehler treten auch eine Zeit lang bei Kindern auf, die sonst keinerlei „legasthene“ Probleme haben.

Und tatsächlich scheitern die Kinder ja bei diesen Fehlern nicht  aufgrund einer Raumorientierungsschwäche. Die gehörte Reihenfolge – zuerst Einer, dann Zehner – wird vom Hören her räumlich richtig, aber beim Schreiben falsch im Sinne unseres Zahlensystems übernommen. Kinder mit einer Hörwahrnehmungsschwäche (AVWS) allerdings haben es schwerer. Sie sind so auf das Verarbeiten des Gehörten konzentriert, dass sie die Energie, die Zahlen vor dem Schreiben gedanklich umzudrehen, nur unter Anstrengung aufbringen können. Sie brauchen  für diesen Prozess länger und zusätzliche Unterstützung.

Oft erfolgt dann der Tipp: Schreibe diese Zahlen von hinten nach vor! Das ist anfangs eine Erleichterung, rächt sich aber hinterher, spätestens dann, wenn der Taschenrechner zum Einsatz kommt. Hier MUSS zuerst der Zehner eingetippt werden. Ist das aber im Vorfeld nicht gefestigt, sind Rechenfehler trotz Taschenrechner vorprogrammiert.

Nur bei von Anfang an korrekter Schreibweise kann die Zahlwortreihe als Orientierungssystem dem dekadischen Aufbau dienen. Nur wenn die Zahlwortstruktur erkannt wird, kann sie auch genutzt werden.

Aus obgenannten Gründen lasse ich mir beim Erarbeiten der ZE-Zahlen besonders viel Zeit. Aufgrund der sprachlichen Besonderheit  der deutschen Sprache arbeite ich auch lange Zeit am Anschreiben dieser Zahlen. Zur Unterstützung sind folgende Materialien hilfreich:

  • Rechenschachtel *Auf ins Land der Zahlen* inklusive der Geschichte *Auf den blauen Berg* aus der gleichnamigen Märchenserie
  • Dazu passt die Kartei *Mit Mathe trans © den Hunderter erobern*. Sie enthält auch die passenden Ziffernkärtchen nach Montessori.
  • Übungen und Spiel mit den Zahlwortkärtchen *Juchhe,  Zahlendreher ade!* Speziell das Sichtbarmachen der Zahlwörter hat bei so manchem Kind endlich das „Aha-Erlebnis“ erzeugt. Und spielerisch zu arbeiten ist sowieso fast immer erfolgreich. Die Motivation durch das Spiel macht das an sich langweilige Anschreiben der Zahlen zum Vergnügen.

 

©Anja Jaritz
©Anja Jaritz

Alle Materialien erhältlich bei www.paedagogik-shop.at

Übrigens:
Ob ein Kind beim Ausrechnen durch einen Zahlendreher zu einem falschen Ergebnis gekommen ist, kann leicht überprüft werden.

Beispiel:
Das Kind rechnet 53+14=94.
Das korrekte Ergebnis aber ist 67.
Die Differenz der beiden Ergebnisse ist 27. 27 ist durch 9 teilbar, was darauf hindeutet, dass der Rechenfehler durch einen Zahlendreher passiert ist. Immer, wenn die Differenz der Ergebnisse durch 9 teilbar ist, handelt es sich vermutlich um einen Zahlendreher. Probier es selber aus! Probieren geht über Studieren! Das hat schon meine Oma gesagt und recht hat sie!

 

Liebe Grüße,

Eure Franzi